Pfingsten?



     


Dass nur eine Minderheit von Deutschen den Festinhalt des Pfingstfestes kennt, war dieses Jahr den Agenturen eine Meldung wert.
Wie ist es mit den Christen? Pfingstfest - ist das mehr als ein Anhängsel an das Osterfest? Mehr als der Ausdruck dafür, dass mit dem Ende der Jesus-Geschichte seine "Sache" weiterging - mit einer Phase von Neubegeisterung durch seine Gemeinde, seine Kirche?
Und das mehr schlecht als recht . . . ?

Dem steht das Zeugnis von Theologen der Alten Kirche entgegen:
Pfingsten, das Fest des Geistes Gottes, ist die "Urheimat der Feste" (Johannes Chrysostomus). Pfingsten ist nicht einfach eine Fortführung der Jesus-Geschichte, Pfingsten ist die Folge der Jesus-Geschichte, ihr Resultat und Ziel.

Jesus ist aus nur einem Grund gekommen: Damit Pfingsten wird!

Das Pfingstfest ist so unvertraut, weil es den Blick nach vorn richtet: Christentum ist keine antiquarische Religion, sondern ein Glaube, der seinen Gegenstand verliert, wenn er die Gegenwart verliert. Erst aus der Gegenwart - aus der Zeit "nach Pfingsten", durch die "Zeit des Geistes" - erschließt sich für uns, was die biblischen Schriften über das Wirken Gottes und die Sendung Jesu bezeugen.

Ohne dieses Wirken des Geistes verhärtet sich das Christentum zu einer geistlosen "Jesus-Religion", die an die Stelle der Offenbarung Gottes durch die Ohnmacht Jesu die Verehrung eines "Supermanns" setzt: "Jesus Christ Superstar" ist kein biblischer Name Jesu!
Ohne dieses Wirken des Geistes gerät die christliche Lektüre des Ersten Testaments, der jüdischen Bibel, zur Enteignung der Gemeinde Israel, zur gesetzlichen, hartherzigen Nachäffung ihrer Berufung, deren Bund und Sendung doch unvertretbar weiterbesteht.


Die Gabe der Tora am Sinai Das Feuer des Geistes: Pfingsten in Jerusalem

Das jüdische Pfingstfest:
Die Gabe der Tora

Pfingsten in Jerusalem:
Der Geist schreibt die Tora in die Herzen.

Fünfzig Tage nach Pessach, dem Fest der Befreiung, feiert die jüdische Gemeinde Schawuot, das Wochenfest. Die Toralesung dieses Festes ist das Zehnwort vom Sinai. Es beginnt mit der Offenbarung Gottes: Ani Adonai Elohecha Ich bin Ich-bin-da, dein Gott. 
Fünfzig Tage nach Ostern, dem Gedächtnis der Hinrichtung Jesu und seiner Auferweckung von den Toten, feiert die christliche Kirche das Pfingstfest, die Sendung des Geistes.

Das Zeugnis der Hebräischen Bibel und des Neuen Testaments offenbart das Wirken des Geistes Gottes als die innere Mitte des Glaubens.



Ein Meditationsbild: Zehnmal Pfingsten

Ein Meditationsbild zu Pfingsten soll vor Augen führen, wie sehr "Pfingsten" die Grunddimension des biblischen Glaubens ist. Es heißt: Die zehn Gesichter von Pfingsten. Sie werden mit biblischen Texten skizziert. Bei den alttestamentlichen Bezügen finden Sie nach den Bibelstellen eine Auslegung.

Das Meditationsbild ist ein Versuch, die inneren Bezüge der biblischen Botschaft des Ersten und des Neuen Testamentes zu veranschaulichen. Sie sind eingeladen, es auszudrucken, sich zur Lektüre anregen zu lassen, dabei zu verweilen.



© Ulrich Sander 2002